Kurzinfos zusammengefasst
  •   Stationsplatz der Fronleichnams- und Agatha-Prozession
  •   Ort für den Feldgottesdienst zum Schützenfest der St. Sebastian-Schützenbruderschaft am Pfingstdienstag
  •   Platz für weitere Freiluftgottesdienste der Gemeinde


Historie:


1667 Anpflanzung einer Linde als Erinnerung an die Heerser Stiftsdechantin Ursula von
Fürstenberg (siehe Auszug Heimatbuch Heinz Küting und „Bildstöcke“ Ludwig Schenk)
In der Zeit danach Errichtung eines Holzkreuzes mit einem Steinsockel

1946 Erneuerung des Holzkreuzes

1959 Rettungsversuch der fast 300-jährigen Linde durch Verjüngungsschnitt

1962 Ebnung des gesamten Platzes, Neueinsaat des Rasens, Anpflanzung einer Einfriedung durch eine Berberitzenhecke und Anpflanzung von 6 jungen Linden

1967 Fällung der 300-jährigen Linde am 21. Februar

Neugestaltung der Anlage mit einem Kreuz und Altar aus Sollinger Sandstein
Gewicht des Kreuzes: 140 Zentner
Gestaltet durch Fa. Haberhausen, Willebadessen

Einweihung der Anlage am 7. Mai 1967 durch Pfarrer Franz Forthaus

2019 Säuberung und Neugestaltung der Anlage mit 12 Sandsteinblöcken als Sitzgelegenheiten und einem neuen Ambo als Lesepult
Neuanpflanzung einer Buchenhecke und Heiderosen vor dem Altar. Mitgeholfen haben 12 Firmbewerber(innen) im Rahmen eines Sozialprojekts während der Firmvorbereitung, Schützen, Mitglieder der Heimat- und Vereinsgemeinschaft und die Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde Altenbeken

Einweihung der Anlage und Segnung des neuen Ambos im Rahmen eines Gottesdienstes mitder Gemeinde am Mittwoch, 5. Juni 2019, durch Pastor Marc Retterath vom Pastoralen Raum an Egge und Lippe

Lehmanns Kreuz 01
Lehmann’s Kreuz nach der Renovierung und Neugestaltung 2019


Neugestaltung „Lehmanns Kreuz“ 2019

Im Herbst 2018 startete die Firmvorbereitung in den Gemeinden des Pastoralen Raumes an Egge und Lippe. Dabei kam die Idee auf, im Rahmen eines Sozialprojektes der Firmbewerber den Stationsplatz „Lehmann’s Kreuz“ (bzw. früher Breukers Linde genannt) wieder herzurichten, zu säubern und auch neu zu gestalten. Die Idee fand bei allen, die dazu gefragt wurden, Zustimmung. Das Orga-Team für die Vorbereitung des 1050-jährigen Dorfjubiläums nahm die Idee mit in die Projektliste auf und stimmte die Umsetzung und Finanzierung mit der Gemeinde Altenbeken als Eigentümerin der Anlage ab. Im Vorfeld unterstützte der Bauhof der Gemeinde das Projekt bereits in vorbildlicher Weise durch die Entfernung der ausgewucherten Büsche und den Rückschnitt der Bäume.

Lehmanns Kreuz 02
Lehmann’s Kreuz vor der Renovierung 2018

So konnte mit dem Start der Firmvorbereitung auch das Projekt starten. 12 Jugendliche aus Schwaney, Altenbeken und Bad Lippspringe hatten sich dazu angemeldet. Am 23. März 2019 trafen sich die Firmlinge, zusammen mit den Helfern aus der Heimat- und Vereinsgemeinschaft, um mit Hochdruckreiniger, Besen und allerlei Werkzeug den Platz, das Kreuz und den Altar zu reinigen und für die weiteren Schritte vorzubereiten.

In den Wochen danach wurde der Altar, der an mehreren Stellen seine Standfestigkeit verloren hatte, durch eine Gruppe der St. Sebastian-Schützenbruderschaft wieder ausgerichtet, befestigt und ausgefugt. Die Heimat- und Vereinsgemeinschaft bestellte über die Firma Natursteine Jahn in Bad Karlshafen 12 große Steinblöcke aus rötlichem Wesersandstein und einen weiteren Stein, der als zukünftiges Lesepult, dem Ambo, aufgestellt werden sollte. Am Samstag, 4. Mai 2019, startete morgens um 8:00 Uhr die Neuaufstellung. Thomas Wrede aus Schwaney hatte im Vorfeld die Steine mit seinem LKW aus Bad Karlshafen geholt und setzte diese nun mit dem Kran auf die vorbereiteten Kiesfundamente. Gleichzeitig pflanzten die Firmlinge an diesem Tag eine neue Buchenhecke mit 70 Einzelpflanzen an der Ostseite der Anlage sowie Heiderosen und Katzenminze als Bodendecker vor dem Altar. Schlussendlich wurde der Bereich mit Erde aufgefüllt und teilweise neu eingesät.

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Thomas Wrede lenkt mit sicherer Hand die schweren Steine an den richtigen Platz

Nach der endgültigen Fertigstellung feierte die Gemeinde am 5. Juni 2019 einen Gottesdienst an dem neugestalteten Ort, bei dem der Ambo und die ganze Anlage durch Pastor Mark Retterath eingeweiht und gesegnet wurde.


Auszug aus dem Heimatbuch
„Schwaney - Zur Geschichte eines tausendjährigen Siedlungsraumes" -
von Heinz Küting
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Ebenfalls mit Kreuz und Zusatz „Breukers Linde“ lokalisiert das Urkataster von 1829 auch die dritte Station der Fronleichnamsprozession, die „Auf dem unteren Broke“ am Westausgang des Dorfes gelegen ist. „Breukers Linde“ erinnert an „Breukers Hof“, der früher auf der benachbarten großen Wiese (heute Benstein) lag.

Herzstück des dritten Stationsplatzes ist eine riesige alte Linde mit einem Stammumfang von 5,50 Metern. Anfang Februar 1959 unterzog man den trutzigen Wächter vor der ehemaligen „Porta Paderbornensis“ einer gründlichen Verjüngungskur. Die starkstämmige, sturmzerzauste Krone des Baumes wurde stark eingestutzt. Denn die Linde ist völlig hohl. Von jugendlichem Leichtsinn entfacht, loderte schon zweimal, zuletzt am 25. August 1953, ein verderblicher Brand im schwammigen Leibe des Riesen. Aber der dickborkige Rindenmantel birgt immer noch genug Kraft und Saft, das schüttere Astwerk im Lenze zum Grünen zu bringen und neue Triebe zu treiben.

Wie die Überlieferung erzählt, soll die Linde im Jahre 1667 gepflanzt worden sein. Am 2. Juli dieses Jahres wurde die sterbliche Hülle der Heerser Stiftsdechantin Ursula von Fürstenberg, der Schwester des Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg, vom Residenzschlosse Neuhaus nach Neuenheerse gebracht, um in der Stiftskirche zur letzten Ruhe gebettet zu werden. Just am westlichen Dorfeingange, an dem der alte Hellweg vorbeiführte, sei der Zug von einem schweren Gewitter überrascht worden, das die verängstigten Trauergäste und Pferde fluchtartig in die nahen Höfe und Häuser trieb. Wo der Sarg der großen Wohltäterin der Armen ohne Totenwacht während des Gewitters gestanden hatte, pflanzte man in pietätvoller Erinnerung an die liebe Verstorbene und als Zeichen untertäniger Reverenz vor ihrem fürstbischöflichen Bruder, der auch Mitherr es Dorfes war, noch im Herbst des gleichen Jahres die Linde.

Vor dem Stamme des Veteranen erhebt sich ein Eichenkreuz mit ausdrucksvollem Cruzifixus, und vor dem Kreuze mauerte man aus schweren Sandsteinen einen breiten und hohen Sockel, der an Prozessionstagen zum Altärchen wird. Im Jahr 1946 ließ Familie Nübel Nr. 145 das Kreuz in Eiche erneuern. Den Korpus trug schon das vorletzte Kreuz. 

Lehmanns Kreuz 06
Foto etwa um 1930, Familie Stiewe (Fröhleken)

Im April 1962 hat die Gemeinde den ausgedehnten Platz, der Jahrzehnte hindurch zweckentfremdet und verwahrlost war, mit einem Kostenaufwand von 2.500 DM geschmackvoll herrichten lassen. Er wurde planiert, neu aufgefüllt, eingesät, mit einer Berberitzenhecke umfriedet und mit sechs Linden und vier Rotdornen bepflanzt. Vor den beiden Eingängen und im Schnittwinkel der beiden Straßen liegen wuchtige Sandsteine aus dem Fundamente des bischöflichen Schlosses, das hier 1344 errichtet wurde und mit seinem Westflügel unmittelbar an die alte Linde angrenzte.
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Lehmanns Kreuz 07



Die dritte Station „Breukers Linde“
Aus dem Buch „Bildstöcke, Wegkreuze, Denkmäler“ von Ludwig Schenk
 
„Auf dem unteren Broke“ befindet sich die dritte Station, am westlichen Dorfausgang in Richtung Dahl. Das heutige Bild hat dieser Platz aus dem Jahr 1967. In der Schwaneyer Orts-Chronik ist hierzu vermerkt: Statt des früheren Eichenkreuzes ließ die Gemeinde neben einem schweren Altartisch ein wuchtiges Steinmonument in Kreuzesform errichten. Die Sandsteine für beide Werke stammen aus Stadtoldendorf am Solling. Allein die Steine des Kreuzes wiegen 140 Zentner. „Breukers Linde“ weist auf den Hof „Breukers Hof“ hin, der früher auf den gegenüberliegenden Grundstücken zwischen dem Brokhof und der Bachstraße stand. Ortsheimatpfleger Heinz Küting aus Schwaney und Pfarrer Anton Gemmeke aus Neuenheerse berichten in ihren Heimatbüchern (Schwaney 1963 und Neuenheerse 1931) über die Dechantin Ursula von Fürstenberg, Stifterin des Armenhauses in Neuenheerse. Sie war die Schwester des Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg, Regent des Dorfes Schwaney. Die Stifterin starb am 30. Juni 1667 in Schloss Neuhaus. Ihre Leiche wurde am 2. Juli 1667 nach Neuenheerse gebracht. Hier wollte sie in der Stiftskirche begraben sein. Am westlichen Dorfeingang von Schwaney, wo der alte Hellweg vorbeiführte, geriet die kleine Schar von 12 Personen in ein Unwetter. Es kamen mit: „drey Caualyr, D. Hurbertus, zwo lakeyen, zwo persohnen bey den Maull Thiren, ein soldate, drey diener, Summa 12 persohnen, 8 Pferde, 4 Maull Thier“. Zum Schutz suchten die Trauergäste in der Nähe liegende Häuser und Höfe auf. Den Sarg mit der Leiche ließ man auf dem Brokhof im Wetter stehen. An dieser Stelle pflanzten die Dorfbewohner im gleichen Jahr -dem Bischof zur Ehre und der Verstorbenen zur Erinnerung – eine Linde.


Auszug aus der Ortschronik von Heinz Küting 1967:
Dritter Stationsplatz
  

Der dritte Stationsplatz, auf dem am 21. Februar 1967 die 300-jährige Linde gefällt wurde, erhielt eine völlige Neugestaltung, die am 20. April fertiggestellt ist. Statt des früheren Eichenkreuzes ließ die Gemeinde neben einem schweren Altartisch ein wuchtiges Steinmonument in Kreuzesform errichten. Die Sandsteine für beide Werke stammen aus Stadtoldendorf im Solling. Allein die Steine des Kreuzes wiegen 140 Zentner. Geplant, gefertigt und angelegt ist der Platz von der Gartenbaufirma Haferhausen in Willebadessen. Die Bestorkung (Körnung) des Kreuzes erfolgte überwiegend von dem Steinmetzen Bernhard Leifer aus Helmern (Krs. Warburg). Unter der Jahreszahl 1967 finden sich klein die Initialen seines Namens B.L. (Bernhard Leifer). Die beiden seitlichen Linden wurden aus anderen Stellen des Platzes entnommen, und die serbischen Fichten (Omorika) auf der Ostseite des Platzes lieferte eine Baumschule aus Bad Meinberg. Das Stück kostete 80 DM. Der dicke Sandstein in der Straßengabelung des Platzes ist ein Rest aus dem Grundgemäuer der in unmittelbarer Nähe des Platzes 1344 erbauten bischöflichen Burg. Er wurde 1963 aus dem Schachtgrunde des Neubaus Rustemeier (Priesters) gehoben und am 20.04.1967 am heutigen Platz aufgestellt und zur Erinnerung an die Burg und der Gemeinde 1344 verliehenen Stadtrechte mit der Jahreszahl 1344 versehen. Aufgestellt und beschriftet wurde der Stein auf Initiative des Ortsheimatpflegers Studienrat a.D. Heinz Küting. Die Kosten der eindrucksvollen Anlage belaufen sich auf DM 8.000. Den kirchlichen Segen empfing der neue Platz im Rahmen der Agathaprozession am 7. Mai 1967 durch Pfarrer Forthaus.


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Die neue Anlage Lehmanns Kreuz 1967