Ich wohnte mitten im Ruhrgebiet in Herne. Die gepflegte Siedlung lag am Stadtrand und war nicht sehr groß, eine schmale Straße zirka  3½ Meter breit, nicht gepflastert, einfach festgefahrener Schotter. Beiderseits 3 Wohnhäuser, zweigeschossig mit je 2 Eingängen. Vor den Häusern 2 Meter Rasen und ein 1 Meter breiter Bürgersteig.
Es war in der Nacht vor Pfingstsonntag, als wir bei Fliegeralarm im Keller saßen und mitten zwischen die Häuserzeilen drei Kettenbomben einen gewaltigen Krater in die Straße rissen. Alle Fensterscheiben waren kaputt und der mit Puderzucker bestreute Kranzkuchen war schwarz und rußbedeckt. Es war reine Glücksache, dass kein Haus getroffen wurde. Das war für meine Eltern der Anlass, dass ich mit meiner Mutter im Juli 1943 nach Schwaney zog.

Wir wohnten bei meinen Großeltern Wilhelm und Franziska Derks im Haus Nr. 9 bei Hauswerth, (Streichers). Der erste Eindruck: Alles war anders.
Es gab keinen Bahnhof, keine Straßenbahn und auch keinen Omnibus. Die nächste Bahnstation war Buke, von dort lief man zu Fuß  die Chaussee entlang nach Schwaney. Weit und breit kein Förderturm in Sicht. Aber Fachwerk- und Klinkerhäuser mit roten Ziegeldächern. Viele Kühe auf der Weide, Hühner auf großen Misthaufen und Pferde. Pferde gab es auch in der Stadt aber sie zogen die Verkaufswagen vom Bäcker, Milchbauern, Gemüsehändler und die Kohlenwagen der Zechen, die den Bergleuten die Deputatkohle brachten. Auch Brauereien lieferten die Bierfässer noch mit von Pferden gezogenen Pritschenwagen.
An so vieles musste ich mich gewöhnen, das ging aber relativ schnell.

Zunächst wurde ich in der Schule für die dritte Klasse angemeldet. Die beiden Schulgebäude lagen mitten im Dorf gegenüber Lerch. Auf dem Schulhof eine große Linde. Meine Klasse war in dem rechten Gebäude, es wurden zwei Schuljahre gleichzeitig in einem Raum unterrichtet (dieses Gebäude hatte nur einen Klassenraum!). Die Lehrerin hieß Fräulein Henze. Der Unterricht begann mit einem Gebet und anschließendem Hitlergruß, eine für mich ungewöhnliche Kombination. Ich war neu, ich war fremd, und wenn die Jungen in der Pause Plattdeutsch sprachen, verstand ich nur die Hälfte oder noch weniger. Außerdem trug ich Lederschuhe. Die „Integration“ (der Begriff war damals noch nicht üblich) vollzog sich schnell, einfach und unkompliziert. Am dritten oder vierten Tag wurde ich in der Pause angerempelt. Mein Versuch mich zu wehren bewirkte eine Klassenkeile. Damit war die Sache eigentlich erledigt und als ich einige Tage später auch noch mit Holzschuhen in die Schule kam, gehörte ich dazu.

Ja, es gab noch einen Holzschumacher im Dorf! Er wohnte ganz in Nähe der Kirche, ich stellte meinen Fuß auf ein Blatt Papier und der Umriss wurde mit einem Bleistift aufgetragen. Nach drei Tagen waren die Holzschuhe fertig. Natürlich musste man dicke Wollsocken darin tragen und nach weiteren drei Tagen hatte ich mich daran gewöhnt. Lederschuhe wurden fortan nur zum Kirchenbesuch oder an Fest- und Feiertagen getragen. (Eine gewisse Nachlässigkeit in Sachen Schuhpflege hat sich bei mir bis heutigentags erhalten.)

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